Department of Cardiovascular Surgery, German Heart Centre Munich of the State of Bavaria

Vorhofseptumdefekt (ASD)

8-10 % aller angeborenen Herzfehler sind Vorhofseptumdefekte, wobei sich hauptsächlich folgende Arten unterscheiden lassen:

  1. Der Ostium-secundum-Defekt (ASD II) ist mit 80 % der häufigste. Seine Größe kann sehr unterschiedlich sein. Im geringsten Falle handelt es sich um ein persistierendes Foramen ovale, wie es bei 30 % aller Menschen, meist ohne Krankheitswert, vorkommt. Im anderen Extrem kann aber auch das gesamte Vorhofseptum fehlen.
  2. Der Ostium-primum-Defekt (ASD I) gehört in den Fehlbildungskomplex des AV-Kanals und wird auch als inkompletter AV-Kanal bezeichnet.
  3. Der Sinus-venosus-Defekt ist in der Regel im oberen, in seltenen Fällen auch im unteren Anteil der Vorhofscheidewand unmittelbar an der Einmündung der jeweiligen Hohlvene in den rechten Vorhof lokalisiert. Bei diesem Typ findet sich fast immer eine Fehleinmündung der rechten oberen Lungenvene meistens in die obere Hohlvene.

Da der Füllungsdruck im linken Vorhof höher ist als im rechten Vorhof, fließt das Blut durch den Vorhofseptumdefekt von links nach rechts (Links-Rechts-Shunt), mit der Folge einer Zunahme der Lungendurchblutung. Die daraus resultierende Volumenüberlastung der rechten Kammer und des Lungengefäßbettes wird normalerweise lange ohne wesentliche Symptome vertragen. Daher sind viele Kinder über Jahre asymptomatisch, andere zeigen eine geringe Leistungseinschränkung.
 
Operationsindikation

Ohne operative Therapie ist die natürliche Lebenserwartung im Mittel auf 50 Jahre reduziert. Im Gegensatz zum Kammerscheidewanddefekt verschließt sich der Vorhofseptumdefekt nur selten spontan. Im Kleinkindalter wird ein Vorhofseptumdefekt nur bei Herzinsuffizienz oder Entwicklungsverzögerung operativ verschlossen. In allen anderen Fällen erfolgt die Operation bei einem hohen Links-Rechts-Shunt vor der Einschulung. Der operative Verschluss wird entweder über das Brustbein (mediane Sternotomie) oder über die seitliche Brustwand (rechts-anterolaterale Thorakotomie) durchgeführt. Am Deutschen Herzzentrum München ist es möglich, solche Defekte durch minimale Hautschnitte im Bereich der seitlichen Brustwand oder durch eine partielle Brustbeineröffnung zu verschließen. Entsprechend der Größe des Defektes wird dieser entweder direkt mittels Naht oder mittels Dacron-Flicken verschlossen. Die Operationssterblichkeit liegt unter 1 %. Die Lebenserwartung nach Korrektur entspricht der der Normalbevölkerung.