Stellungnahme der DGPK zur aktuellen Situation bezüglich der Coronavirus Epidemie in Deutschland

(Stand 19.03.2020)

Die Infektionswelle mit dem neuen Coronavirus (Covid-19/SARS-CoV-2), welche in China ihren Ursprung nahm, ist nun auch in Europa und Deutschland angekommen und verbreitet sich weltweit, aus der Corona Epidemie in China ist eine Pandemie geworden. Aufgrund zahlreicher und oft unterschiedlicher Medienberichte, die teilweise nicht unbedingt sachlich und medizinisch korrekt wiedergegeben werden, kann in Teilen der Bevölkerung und vor allem bei Patienten mit chronischen Erkrankungen daher eine erhebliche Verunsicherung entstehen.

Gerade Eltern bzw. Familien mit herzkranken Kindern, aber auch Jugendliche und Erwachsene mit Angeborenen Herzfehlern (JEMA bzw. EMAH Patienten) sind daher in Sorge und wenden sich an ihre betreuenden Kliniken und Ärzte.

Aus diesem Grunde möchte die DGPK die betroffenen Patienten und Familien informieren.

Coronaviren gibt es schon sehr lange, Infektionen mit Coronaviren verursachen meist Beschwerden wie eine leichte „Erkältung“ oder Grippe, bei der keinerlei besondere Behandlung notwendig ist oder Gefährdung für die Patienten besteht. Bestimmte Viren – und hierzu gehört offensichtlich auch der aktuelle Erregerstamm (Covid-19/SARS-CoV-2) - können bei besonderen Patientengruppen aber auch schwere Infektionen der Atemwege verursachen. Nach dem aktuellen Wissensstand ist aber auch eine Infektion mit dem aktuellen Coronavirus in großem Stil heilbar bzw. wird von den allermeisten Patienten gut überwunden und verläuft harmloser als z.B. echte Grippe- oder Masernerkrankungen.

Nach den aktuell vorliegenden Informationen sind Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene nicht besonders gefährdet, die meisten Infektionen verlaufen gerade bei den jungen Patienten sehr mild. Die von Erwachsenen bekannten Risikofaktoren wie z.B. Herzerkrankungen, chronische Atemwegserkrankungen und Bluthochdruck sind auch nicht auf das Kindesalter übertragbar. Es ist daher, wie bei anderen Infektionserkrankungen auch, generell Vorsicht geboten, ein Grund zur Panik besteht nicht.

Problematisch für jedes Gesundheitssystem ist bei dieser Infektion vor allem die mögliche rasche Ausbreitung, so dass es dadurch zu einer hohen Zahl an akut Erkrankten kommen kann, wodurch die Kliniken in ihren Kapazitäten überlastet werden können. Daher ist es extrem wichtig, dies zu verhindern, damit für schwer erkrankte Patienten eine ausreichen Zahl an Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung steht. Nur mit der Verringerung der sozialen Kontakte kann die Zahl der Ansteckungen und Neuerkrankungen verringert werden („flatten the curve“). Daher bitte wir Sie, folgen Sie den Empfehlungen der Bundesregierung und Ihrem gesunden Menschenverstand und bleiben Sie wenn immer möglich zuhause.

Sehr wahrscheinlich ist das Risikoprofil der Coronavirusinfektion für die Gruppe der Kinder und Jugendlichen mit angeborenen Herzfehlern mit dem von RS Viren vergleichbar. Hierzu gehören Säuglinge mit noch unkorrigierten Herzfehlern oder Kinder mit bedeutsam vermehrten oder vermindertem Lungenblutfluss oder Kinder mit chronischer Herzinsuffizienz, pulmonaler Hypertonie und schließlich Patienten mit einer Immunschwäche (transplantierte Patienten, Di George Syndrom, etc.).
 

Obwohl eine Infektion mit Coronaviren sehr wahrscheinlich keine schwerwiegende Erkrankung hervorrufen wird, sollten auch unsere Patienten mit angeborenen Herzfehlern versuchen, sich vor einer Infektion zu schützen. Dies dient insbesondere auch dazu, die Verbreitung des Virus zu verlangsamen. Hierzu sind folgenden Maßnahmen sinnvoll:

  • Mehrfach tägliches Händewaschen
  • Verwendung von Desinfektionsmitteln nach Kontakt mit Gegenständen, welche von vielen anderen berührt werden (Türgriffe, Geländer, etc.)
  • Verwendung von Einmaltaschentüchern
  • Niesetikette (in die Armbeuge niesen/husten)
  • Verringern der sozialen Kontakte, das bedeutet:
    Größere Menschenmengen oder ggf. öffentliche Verkehrsmittel vermeiden
  • Abstand von möglicherweise Erkrankten halten
  • Abstand von Reisenden aus bekannten Endemiegebieten halten
  • Bleiben Sie, wenn immer möglich zuhause)

Das Tragen eines Gesichtsschutzes (Maske) ist nach aktuellem Stand der Wissenschaft wenig hilfreich, um sich vor einer Infektion zu schützen, viel wichtiger sind die oben genannten allgemeinen Hygienemaßnahmen. In diesem Zusammenhang verweisen wir auf die entsprechenden Empfehlungen und Veröffentlichungen des Robert-Koch-Instituts in Berlin.

Es ist augenblicklich auch nicht notwendig und wird von Seiten der DGPK auch nicht empfohlen, Ihr Kind allein aufgrund eines angeborenen Herzfehlers zu isolieren. Dies gilt ebenso für Patienten, die bereits mehrfach am Herzen operiert bzw. behandelt wurden oder Patienten mit unproblematischer Fontanpalliation. Die Verringerung der sozialen Kontakte dient vielmehr dazu, die rasche Verbreitung des Virus in der Gesellschaft zu verlangsamen, damit unser Gesundheitssystem zu schützen und mit diesem Verhalten den Ärzten und Pflegenden die Möglichkeit zu geben das Leben von wirklich Kranken zu retten.

Wenn Sie bei sich oder Ihrem Kind einen begründeten Verdacht auf eine Infektion haben oder krank sind (Grippesymptome wie Fieber‚ Husten, etc.) so bleiben Sie bitte zuhause und vermieden den Kontakt mit Gesunden, öffentliche Verkehrsmittel oder Menschenansammlungen. Kontaktieren Sie Ihren Haus– oder Kinderarzt telefonisch, fahren Sie bitte nicht ohne Vorankündigung in die Praxis oder Klinikambulanz.

Die DGPK unterstützt zusammen mit der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ) die Initiative der Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie (DGPI) einer deutschlandweiten Erfassung stationär behandelter Kinder und Jugendlicher mit COVID-19 Infektion (https://dgpi.de/aktuelles/covid-19/survey/). In diesem Survey sind Patienten mit kardialen Vorerkrankungen extra aufgeführt, wir werden zusammen mit der DGPI diese Patienten, sofern sie vorkommen, gemeinsam analysieren und diese auf der Website der DGPK veröffentlichen.

Sollten sich in den nächsten Tagen und Wochen neue oder andere Erkenntnisse ergeben, so werden wir diese Stellungnahme aktualisieren.

Für weitere allgemeine Informationen verweisen wir auf die aktuellen Verlautbarungen des Bundesgesundheitsministeriums und des Robert-Koch-Instituts sowie der Deutschen Gesellschaft für Kinderheilkunde und Jugendmedizin (DGKJ) sowie der Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie (DGPI).

Stellungnahme der DGKJ und DGPI:
https://www.dakj.de/wp-content/uploads/2020/03/dakj-dgpi-2020-corona-stand-0203.pdf

Stellungnahme des Robert Koch Instituts:
https://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/N/Neuartiges_Coronavirus/nCoV.html

Stellungnahme des Bundesgesundheitsministeriums:
https://www.bundesgesundheitsministerium.de/coronavirus.html

Wenn sich neue Erkenntnisse ergeben, so werden wir Sie umgehend informieren und unsere Stellungnahme entsprechend aktualisieren.

Prof. Dr. Nikolaus Haas            Dr. Karl Robert Schirmer
Präsident DGPK                        Geschäftsführer DGPK

Kontakt

Deutsche Gesellschaft für Pädiatrische Kardiologie und Angeborene Herzfehler e.V.

Präsident: Prof. Dr. Nikolaus Haas
Prof. Dr. Sven Dittrich (1. Vizepräsident)
Prof. Dr. Matthias Gorenflo (2. Vizepräsident)
Geschäftsführer: Dr. Karl Robert Schirmer

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