Kontakt:
+49 (0) 89 1218-3305
oder
+49 (0) 89 1218-3306
1999 wurden in der Bundesrepublik Deutschland über 771.000 Kinder geboren. 0,8% von ihnen, das sind etwa 6.200 Babys, kamen mit einem angeborenen Herzfehler zur Welt. Während 1970 noch etwa ¾ der Betroffenen vor Erreichen des 18. Lebensjahres starben, ermöglichen heute die enormen Fortschritte der letzten 25 Jahre auf dem Gebiet der angeborenen Herz- und Gefäßerkrankungen für über 90% dieser Kinder ein Überleben bis ins junge Erwachsenenalter.
Selbstverständlich muss nicht jedes Kind mit einem - evtl. schon vor der Geburt durch den Pränatalmediziner vermuteten - Herzfehler sofort innerhalb der ersten Lebensstunden in eine Kinderklinik verlegt oder gar gleich operiert werden. Maximal besteht ein Bedarf für Herzoperationen von 3.000 im Jahr bei Säuglingen im 1. Lebensjahr. Hiervon werden allein auf der Kinderintensivstation des Deutschen Herzzentrums München ca. 500 prä-, peri- und postoperativ versorgt.
Aus diesen nüchternen Zahlen wird deutlich, dass die Kinderintensivstation nicht nur schwerpunktmäßig für die Landeshauptstadt München mit jährlich etwa 18.000 Geburten und damit "nur" 100 Herzfehlern die Funktion einer primären Anlaufstelle für herzkranke Babys erfüllt, sondern weit über die Stadt-, Bezirks- und Landesgrenzen hinaus bis ins benachbarte Österreich und Norditalien, ja sogar für die Länder des ehemaligen Jugoslawien, der ehemaligen Sowjetunion und auch recht häufig die Vereinigten Arabischen Emirate Versorgungsaufgaben der höchsten Stufe zugewiesen bekommen hat.
Über 1.000 Patienten registrierte die Kinderintensivstation im Jahr 2000. Diese enorme Zahl war nur durch das be-"Herz"-te Engagement des gesamten, für 15 Betten und eine Transplantationseinheit zuständigen ärztlichen und pflegerischen Teams, bestehend aus 45 Schwestern, einem MTA, einem Zivildienstleistenden, einer Stationsassistentin und elf Ärzten, möglich.
Den Patienten, vom Frühgeborenen (der kleinste Patient wog bei der Operation 600 g) bis zum Erwachsenen mit angeborenem Herzfehler, stehen vier Einbett-, zwei Zweibett-, ein Dreibett- und ein Vierbettzimmer sowie eine Herztransplantationseinheit zur individuellen Behandlung zur Verfügung.
Jeder Bettplatz verfügt über ein eigenes Intensivmonitoring mit der Möglichkeit zur Darstellung von mehr als zehn sog. Vital-Parametern. Alle Daten können über einen Zentralmonitor online abgelesen und dokumentiert werden.
Selbstverständlich kann jeder Patient dieser Station bei Bedarf über einen Respirator künstlich beatmet werden, wie für jeden Patienten im Falle eines Nierenversagens über Dialyse- bzw. Filtrationsverfahren eine Nierenersatz-Therapie eingerichtet werden kann. Patienten mit herzfehlerbedingtem Lungenhochdruck wird während und nach der Herzoperation über hoch empfindliche Mischapparaturen das medizinische Gas Stickoxid dem üblichen Atemgas, bestehend aus Druckluft und Sauerstoff, hinzugefügt. Alle Untersuchungen finden direkt auf der Station statt, so dass das Kind weder unter großem technischen und personellen Aufwand von seinem Bettplatz verlegt noch von seinem Monitor genommen werden muss.
Bei Inbetriebnahme des Herzzentrums im alten Haus war die Kinderintensivstation mit 13 Betten von einer Operationsfrequenz von ca. 250 Kindern pro Jahr ausgegangen. In den letzten zehn Jahren jedoch wurden hier über 6.000 Kinder aufgenommen, mehr als 4.000 nach einer Operation. Erstaunlicherweise hat sich in diesem Zeitraum weder die Verweildauer mit durchschnittlich nur drei Tagen noch das Operationsalter von ca. 1½ Jahren verändert.
Der in Zusammenarbeit mit der Berufsfeuerwehr München 1978 von der Kinderintensivstation aufgebaute und seither von ihrem Team gestellte Neugeborenen-Notarztdienst steht nicht nur herzkranken Babys, sondern jedem durch eine Risikoschwangerschaft oder -geburt gefährdeten Neugeborenen zur Verfügung. Etwa 600 Einsätze jährlich unterstreichen die absolute Notwendigkeit dieser rollenden Intensiveinheit. Nicht selten wird durch dieses Notdienst-Team ein Neugeborenes mit einem angeborenen Herzfehler von der ersten Lebensminute an bis zu seiner Entlassung aus dem Herzzentrum von den Fachärzten und Fachpflegekräften ununterbrochen hoch qualifiziert betreut und behandelt.



