Erkrankungen des Herzbeutels (Perikarditis)

Einführung

Der Herzbeutel (Perkardium) umschließt das Herz. Er besteht aus zwei Gewebeschichten, zwischen denen sich etwa 20 – 50 ml Flüssigkeit befindet. Diese ermöglicht eine reibungslose Herzbewegung. Der Herzbeutel hält das Herz in der richtigen Lage und schützt es gegen Überdehnung und vor übergreifenden Entzündungen.
 

Welche Erkrankungen des Herzbeutels gibt es?

Die Erkrankungen des Herzbeutels lassen sich in entzündliche und nicht-entzündliche Erkrankungen unterteilen.

Akute oder chronische Entzündungen des Herzbeutels können zu einer Zunahme der Flüssigkeit zwischen den Perikardblättern führen. Dadurch kann die Funktion des Herzens beeinträchtig werden. Durch Verschwartungen und Verkalkungen des Herzbeutels kann die Füllung der Herzkammern mit Blut und damit die Pumpfunktion des Herzens gestört werden.

Entzündungen des Herzbeutels

Eine Entzündung des Herzbeutels kann durch vielerlei Ursachen bedingt sein (siehe Tab 1). Dazu zählen Infektionen durch Bakterien,Viren oder Pilze, ein Herzinfarkt, eine Herzmuskelentzündung, eine Lungen- oder Brustfellentzündung, rheumatische Erkankungen, Nieren- oder Tumorerkrankungen. Auch nach einer Herzoperation, einem Unfall oder einer Bestrahlung kann eine Herzbeutelentzündung auftreten.

Herzbeutelentzündungen durch Bakterien (z.B bei Tuberkulose) sind heute eine Seltenheit geworden. In Gegenzug hat die Anzahl der Entzündungen, die durch Viren verursacht werden zugenommen. Oft lässt sich die eigentliche Ursache der Entzündung nicht genau klären. Man spricht von einer idiopathischen Perikarditis.

Tab 1. Übersicht über Ursachen akuter Herzbeutelentzündungen (akute Perikarditis)

  1. Infektionen durch Viren,Bakterien, Pilze, Parasiten) = Infektiöse Perikarditis
  2. nach Herzinfarkt = Postmyokardinfarkt-Syndrom
  3. bei Kollagenerkrankungen
  4. bei rheumatischen Erkrankungen = Rheumatische Perikarditis
  5. nach Trauma =Traumatische Perikarditis
  6. nach Herzoperation = Postkardiotomiesyndrom
  7. bei Tumorerkrankungen = Tumorperikarditis
  8. Strahleneinwirkung auf das Perikard
  9. bei dissezierendem Aortenaneurysma
  10. bei Nierenversagen = Urämische Perikarditis
  11. Medikamenteninduzierte Perikarditis

Akute Herzbeutelentzündung (akute Perikarditis)

Ihm Rahmen einer akuten Entzündung des Herzbeutels kann es zu einer raschen Zunahme der Flüssigkeit zwischen den Perikardblättern kommen (Perikarderguss). Diese Flüssigkeitsansammlung, um das Herz kann dazu führen, dass sich die Herzkammern nicht ausreichend mit Blut füllen können und damit die Pumpleistung sinkt.

Eine akute Herzbeutelentzündung kann folgende Beschwerden (Symptome) verursachen:

  • Schmerzen in der Herzregion
  • Die Schmerzen können von der Körperlage und Atmung abhängig sein und auch in die Schulter oder den Nacken ausstrahlen
  • Druckgefühl in der Brust
  • Atemnot
  • Herzrasen (Tachykardie)
  • Blutdruckabfall
  • Gestaute Halsgefäße (Halsvenen)
  • Organ-Minderdurchblutung (z.B. der Nieren mit Abnahme der Urinmenge)
  • Kreislaufversagen, Schock

Chronische Herzbeutelentzündung (chronische Perikarditis)

Bei einer chronischen Entzündung des Herzbeutels kann es ebenfalls zu einer Zunahme der Perikardflüssigkeit kommen Hier können sich bis zu 3 Liter an Flüssigkeit ansammeln ohne dass es zu einer relevanten Beeinträchtigung der Herzleistung kommt. Als Ursache kommen häufig ebenfalls chronische Erkrankungen wie Nierenerkrankungen oder Tumorleiden in Frage. Die im Vordergrund stehenden Symptome sind ein Blutrückstau in die Halsgefäße, eine Leber- und Milzstauung, Beinödeme, Wassereinlagerung in der Bauchhöhle und Atemnot bei Belastung.

Das Panzerherz (Konstriktive Perikarditis)

Verschwielung, Verklebung und Kalkeinlagerung im Herzbeutel können dazu führen  dass der Herzbeutel nahezu unbeweglich wird und das Herz wie eine feste Schale umgibt. Dadurch wird der Bluteinstrom in das Herz behindert . Man spricht von einem Panzerherz. Prinzipiell können alle Erkrankungen, die eine chronische Perikarditis auslösen können, auch zur Entwicklung eines Panzerherzens führen. Durch die Füllbehinderung aller Herzhöhlen kommt es zu einem gleichförmigen Anstieg des Blutdrucks im linken und rechten Vorhof auf Werte von 15-25 mmHg.

Typische Beschwerden sind Müdigkeit, Leistungsminderung, Atemnot, gestaute Halsgefäße, Völlegefühl, Leber- und Milzvergrößerung, Beinödeme, Wasseransammlung in der Bauchhöhle (Aszites) sind häufige Beschwerden  Die Ultraschalluntersuchung zeigt das veränderte Füllungsverhalten der Herzkammern. In der Röntgen-Untersuchung des Brustkorbs können Verkalkungen des Herzbeutels nachweisbar sein. Auch eine Computertomographie ist zur Beurteilung der Dicke des Herzbeutels und zum Nachweis von Verkalkungen hilfreich.
 

Wie kann man eine Herzbeutelerkrankung feststellen?

Die oben genannten Beschwerden können auf eine Perikarderkrankung hinweisen.
Beim Abhören des Herzens mit Hilfe eines Stethoskops lässt sich ein kratzendes, schabendes Geräusch feststellen, das Perikardreiben.
Ein verbreiterter Herzschatten, der in der Form einer Bocksbeutelflasche ähnelt kann bei der Röntgen-Untersuchung von Herz und Lunge auffallen. Verkalkungen des Herzbeutels lassen sich gut im Röntgenbild oder durch eine Computertomographie nachweisen.  Auch Veränderungen im EKG (Elektrokardiogramm) können Hinweis gebend sein.
Die Ultraschalluntersuchung des Herzens (Echokardiographie) ist die wichtigste Untersuchungsmethode, um das Ausmaß der Flüssigkeitsansammlung im Herzbeutel und die Beeinträchtigung der Herzfunktion zu beurteilen. Je nach Fragestellung wird daneben auch die Computertomographie und Kernspintomographie eingesetzt.  Zusätzlich kann eine Herzkatheter-Untersuchung mit Bestimmung der Druckwerte im Herzen notwendig sein.
 

Wie werden Erkrankungen des Herzbeutels behandelt?

Die Behandlung von Erkrankungen des Herzbeutels richtet sich nach der Art der zugrunde liegenden Erkrankung. Sie richtet sich auch danach welche (z.B sterile oder infizierte Körperflüssigkeit, Blut Eiter) und wie viel Flüssigkeit sich im Herzbeutel befindet.

Im Falle einer nur geringen Beeinträchtigung des Herzens wird eine akute Perikarditis mit entzündungshemmenden Medikamenten (z.B. Kortison) und ggf. mit Antibiotika behandelt. Bei einer erheblichen Einschränkung der Herzleistung muss die ursächliche Flüssigkeitsansammlung im Herzbeutel, der Perikarderguss, entlastet werden. Dies kann durch eine Perikardpunktion mit Einführen eines Katheters erreicht werden, über den die Flüssigkeit abgezogen wird. Bei der operativen Drainage des Herzbeutels wird über einen Schnitt am unteren Ende des Brustbeins der Herzbeutel eröffnet und ein dünner Kunststoffschlauch zur Ableitung der Flüssigkeit eingelegt (Perikardiotomie). 

Je nach Situation kann ein Perikarderguss auch durch eine seitliche Eröffnung des Brustkorbes und die Anlage eines Perikard-“fensters“ behandelt werden. Dabei wird eine Öffnung in den Herzbeutel geschnitten. Bei Vorliegen eines Panzerherz (Perikarditis constrictiva) muss der Brustkorb eröffnet werden und das Herz aus der durch die Verkalkung des Herzbeutels entstandenen schalenartigen Ummauerung befreit werden.
 

Kurze Beschreibung der chirurgischen Verfahren zur Behandlung von Perikarderkrankungen

Perikardpunktion:
Bei der Perikardpunktion wird mit einer Hohlnadel der Herzbeutel punktiert. Der Patient liegt mit erhöhtem Oberkörper. Die Punktion wird im Winkel zwischen dem unteren Ende des Brustbeins und dem 7. Rippenknorpel links durchgeführt. Über die Hohlnadel wird ein dünner Katheter in den Herzbeutel vorgeschoben und über diesen die die Flüssigkeit abgezogen.

Perikarddrainage (Pericardiotomia inferior):
Die operative Drainage des Herzbeutels ist bei infizierten Ergüssen und nach herzchirurgischen Eingriffen indiziert. Dazu wird die Haut etwa 5 cm am unteren Ende des Brustbeins inzidiert und nach Präparation der Schichten das Perikard eröffnet. Der Erguss wird abgesaugt und eine weiche Drainage in den Herzbeutel eingelegt.

Perikard „Fensterung“

Die chronische Flüssigkeitsansammlung im Herzbeitel kann chirurgisch durch eine "Fensterung" oder subtotale Resektion des Perikards behandelt werden. Dabei wird der Brustkorb über einen seitlichen Schnitt eröffnet, ein Stück der seitlichen Wand  des Herzbeutels entfernt und so ein „Fenster“ angelegt. Die Perikardflüssigkeit kann so in die Pleurahöhle abfließen und wird dort von der Pleura parietalis resorbiert ("innere Drainage").

Chirurgische Behandlung des Panzerherzens (Konstriktive Perikarditis)

Der Brustkorb wird in der Mitte über eine so genannte mediane Sternotomie eröffnet. Der verdickte oder verkalkte Herzbeutel wird teilweise entfernt (Perikardektomie). Die Operation sollte frühzeitig durchgeführt werden bevor eine Schädigung des Herzmuskels oder eine durch den Blutstau bedingte irreversible Schädigung von Leber und Nieren eingetreten ist.